Hagenhufendorf

Der zusammengesetzte Name "Hagenhufendorf" deutet auf das "eingeheckte", d. h. mit einer Hecke umgebene (hegen = Hag) Flurstück und das Maß für die Grundstücksgröße hin. Seit der fränkischen Zeit war die Hufe die Grundeinheit für die zum Lebensunterhalt notwendige Größe einer Hofstätte und die daraus resultierenden Abgaben an die Grundherrschaft (etwa 7 bis 10 Hektar).

Die Kultivierung oder Zivilisierung von Landschaft erforderte im Mittelalter wie heute eine intensive Planung. Bei der Gründung der Hagenhufendörfer orientierten sich die in den Wald gerodeten Siedlungen am Verlauf eines Baches. Davon ausgehend wurde sowohl der Zuschnitt der Grundstücke als auch der Straßenverlauf festgelegt. So entstanden lange, oftmals ungerade Dorfstraßen mit einzeiliger Bebauung. Jeder Bauernhof erhielt eine Streifen Land vor und hinter dem Haus zugewiesen, den er zu bewirtschaften hatte. Dort wurde der Wald, bestehend überwiegend aus Gestrüpp und Bäumen, gerodet. Um Siedlungen und Felder zu schützen, wurden Hecken gepflanzt.

Ursprünglich herrschte innerhalb einer Neusiedlung annähernde Besitzgleichheit, weil schon während der Anlage der "Hägersiedlung" die Größe der Gemarkung, also auch die Abmessungen der einzelnen Flurstücke festgelegt war. Aus diesem einheitlichen und in sich geschlossenen Grundplan folgte, dass eine bauliche Weiterentwicklung der Siedlung nicht möglich war. Um auch das weiter entfernt liegende Land in Besitz zu nehmen, musste eine neue - häufig durch den Zusatz "Ober-" oder "Nieder-" gekennzeichnete - Siedlung geplant und errichtet werden.

Rannenberg zählt zu den Hagenhufendörfern und lässt noch Spuren dieser Siedlungsform erahnen. Es konnte allerdings auf dem knappen Raum, der auf der Hochfläche zur Verfügung stand, nicht zur Entwicklung der typischen großzügigen Hagenhufenform kommen wie andere Schaumburger Dörfer. Hier am Rand des Süntels waren die Hagen eher bescheiden, teilweise wurden sie nur in Einzel- oder Doppelhöfe ausgebildet (Südhagen, Schönhagen, Raden). Sie gehören zu den randlichen Ausläufern des Schaumburger Hagensiedlungsbereichs.

Quellen:

Munk, Heinrich
Rannenberg
Auetal, 1990

Schaumburger Landschaft (Hrg.)
Kulturpfad Schaumburg
Bückeburg, 2000

Schaumburger Landschaft (Hrg.)
Schaumburger Land - Eine kleine Landeskunde
Bückeburg, 2003

 

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